Mähroboter mit Kamera und Datenschutz: Was erlaubt ist
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Ein Mähroboter mit Kamera ist im eigenen Garten datenschutzrechtlich unproblematisch, solange er ausschließlich das eigene Grundstück erfasst und Aufnahmen in der Familie bleiben; filmt er Nachbargrundstück oder Gehweg, gilt die DSGVO. Für die reine Navigation wertet etwa Navimow die Bilder laut Datenschutzerklärung direkt im Gerät aus. Kritischer sind Live-Video, Patrouillenfahrten und Personenerkennung, die einige Modelle als Diebstahl- und Überwachungsfunktion anbieten. Diese Seite gehört zum Ratgeber für Mähroboter ohne Begrenzungskabel; eine Übersicht aller Modelle bietet der Vergleich der Mähroboter ohne Begrenzungskabel. Die Seite erklärt Regeln und Quellen, sie ersetzt keine Rechtsberatung.
Kurzantwort: eigener Garten ja, Nachbargrundstück nein
Kamera-Mähroboter dürfen im eigenen Garten fahren und filmen, solange die Kamera keine fremden Grundstücke oder öffentlichen Flächen erfasst und keine Aufnahmen nach außen gehen. Das folgt aus der Haushaltsausnahme in Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO, die rein persönliche oder familiäre Tätigkeiten vom Datenschutzrecht ausnimmt. Sobald der Mäher über den Zaun filmt, endet diese Ausnahme. Für die Praxis gilt deshalb eine einfache Faustregel: Navigation ohne Bildübertragung ist unkritisch, Live-Video und Patrouille brauchen eine klare Begrenzung auf das eigene Grundstück. Wie viel ein Mähroboter überhaupt sieht und speichert, hängt von der Kamerafunktion ab.
Was die Kamera aufzeichnet
Die Kamera eines Mähroboters dient in erster Linie der Navigation und Hinderniserkennung, und diese Bilder müssen das Gerät nicht verlassen. Navimow schreibt in seiner Datenschutzerklärung, dass Daten des Vision-Sensors zur Erkennung von Rasen und Objekten standardmäßig direkt im Roboter verarbeitet werden, ohne ihn zu verlassen. Nur bei Fehlerereignissen wie einer Kollision oder dem Druck auf die Stopp-Taste können Daten gesammelt werden; diese Sammlung lässt sich in der App ein- und ausschalten und erfolgt laut Navimow anonym, ohne Verknüpfung mit Konto oder Seriennummer.
Anders liegt der Fall bei Funktionen, die ein Bild aktiv an Ihr Smartphone senden. Die folgende Übersicht nennt Modelle mit solchen Funktionen laut Hersteller.
| Modell | Kamerafunktion über die Navigation hinaus |
|---|---|
| Mammotion LUBA 3 AWD | Live-Kamerabild in der App über 4G |
| Dreame A3 AWD Pro | Personenerkennung und Patrouille mit Live-Video |
| MOVA ViAX | TrueGuard Live-Video über die Kameras |
| MOVA LiDAX Ultra AWD | TrueGuard mit automatischer Patrouille, Live-Audio und Personenerkennung |
| Husqvarna Automower V NERA | KI-Kamera mit Infrarot, klassifiziert Hindernisse und Tiere |
Live-Video und Patrouille machen den Mäher funktional zu einer mobilen Überwachungskamera. Genau hier greifen die Regeln der DSGVO, die im nächsten Abschnitt erklärt sind. Wie die Kamera für die Navigation selbst arbeitet, beschreibt die Seite über Mähroboter mit Kamera.
DSGVO und Haushaltsausnahme
Die Haushaltsausnahme nach Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO gilt nur, wenn sich die Aufnahme auf das selbst bewohnte Grundstück beschränkt, ohne beruflichen Bezug erfolgt und Aufnahmen nicht an Personen außerhalb der Familie gehen. So fasst es das Hinweisblatt der Sächsischen Datenschutz- und Transparenzbeauftragten zur Videoüberwachung auf Privatgrundstücken (Stand 01/2023) zusammen.
Erfasst die Kamera auch Nachbargrundstücke oder öffentliche Straßen, Plätze und Gehwege, kann sich der Betreiber nicht mehr auf die Ausnahme berufen. Die Behörde verweist dazu auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 11. Dezember 2014 (Rs. C-212/13, Ryneš). Dann ist die Aufnahme nur nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO zulässig, also bei einem berechtigten Interesse, das die Interessen der Betroffenen überwiegt. Im Ergebnis ist die Überwachung von Nachbargrundstücken und öffentlichen Bereichen laut Hinweisblatt vom Grundsatz her verboten.
Für einen Mähroboter heißt das: Die Navigationskamera auf Rasenhöhe ist kaum ein Problem, wenn die Bilder das Gerät nicht verlassen. Ein Live-Bild oder eine Patrouillenfahrt entlang eines niedrigen Zauns kann dagegen das Nachbargrundstück zeigen. Neben dem Datenschutzrecht drohen zivilrechtliche Ansprüche: Betroffene können nach §§ 1004, 823 BGB Beseitigung und Unterlassung verlangen, wie die sächsische Behörde erläutert. Ebenso wichtig ist die Frage, wo die Daten des Mähers gespeichert werden.
Cloud und Serverstandort
Cloud-Daten von EU-Nutzern speichern Navimow und Dreame laut ihren Datenschutzerklärungen in Deutschland, Mammotion nennt Rechenzentren in drei Ländern; Navimow und Mammotion behalten sich ausdrücklich Übermittlungen ins Ausland vor. Die Angaben im Einzelnen sind die folgenden.
- Segway Navimow: Server in China, den USA, Singapur und Deutschland; Daten von Nutzern im EWR, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich liegen in Deutschland, eine Übertragung an Einrichtungen im Ausland behält sich Navimow vor.
- Dreame: Rechenzentren in den USA, Deutschland und Singapur; personenbezogene Daten von EU-Nutzern werden laut Datenschutzrichtlinie auf dreametech.com auf dem deutschen Server gespeichert.
- Mammotion: Rechenzentren in den USA, Deutschland und Singapur; Daten können an diese Rechenzentren übermittelt werden, und Mitarbeiter in anderen Rechtsräumen können darauf zugreifen.
Für andere Hersteller lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung der jeweiligen App. Unabhängig vom Standort entscheiden Ihre Einstellungen in der App, welche Daten überhaupt in die Cloud gelangen.
Einstellungen, die Sie prüfen sollten
Die Datenschutzeinstellungen eines Kamera-Mähroboters prüfen Sie am besten direkt bei der Einrichtung, bevor der erste Mähauftrag startet. Die folgenden fünf Punkte decken die wichtigsten Risiken ab.
- Live-Video, Patrouille und Personenerkennung nur aktivieren, wenn Sie sie wirklich brauchen.
- Patrouillenrouten und Sperrzonen so legen, dass der Mäher nicht dicht am Zaun zum Nachbarn oder zur Straße entlangfährt.
- Die Freigabe von Bild- oder Fehlerdaten zur Verbesserung der KI prüfen; bei Navimow lässt sie sich in der App abschalten.
- Screenshots oder Videos aus der App nicht öffentlich teilen, wenn darauf Personen oder fremde Grundstücke erkennbar sind.
- Den App-Zugang nur Haushaltsmitgliedern geben und ein sicheres Passwort verwenden.
Wer Kameras im Garten grundsätzlich vermeiden möchte, hat bei Mährobotern ohne Begrenzungskabel auch Alternativen.
Alternativen ohne Kamera
Mähroboter ohne Kamera navigieren per LiDAR, RTK oder EPOS und erzeugen keine Bilder vom Garten. Der Dreame A1 Pro arbeitet laut Hersteller mit einem 3D-LiDAR ganz ohne Kamera, braucht keine Antenne und deckt bis zu 2.000 m² für 999 € UVP ab. Als Schwächen nennt homeandsmart die fehlende automatische Kartierung und das verbesserungswürdige Randmähen an runden Kanten; Details stehen auf der Modellseite zum Dreame A1 Pro.
Dreame A1 Pro
LiDAR
- Fläche
- bis 2.000 m²
- Steigung
- 45 % (24,2°)
- Schnittbreite
- 22 cm
- Schnitthöhe
- 30–70 mm
- Antrieb
- 2WD
- RTK-Antenne nötig
- nein
- Lautstärke
- 64 dB(A)
- UVP
- ab 999 € (UVP)
Stärken
- Günstigster reiner LiDAR-Mäher (ohne Kamera) (UVP 999 €) für bis zu 2.000 m²
- 360°-LiDAR, funktioniert auch unter Bäumen ohne RTK
- Gute Hinderniserkennung und übersichtliche App (homeandsmart)
- Regensensor und IPX6
Schwächen
- Keine automatische Kartierung (homeandsmart)
- Randmähen an runden Kanten und Ecken verbesserungswürdig (homeandsmart)
- Hinterradantrieb, max. 45 % Steigung; nur 22 cm Schnittbreite
Eine zweite Alternative ist der Husqvarna Automower X NERA mit EPOS Plug-in, der satellitengestützt navigiert und beim 450X NERA laut Hersteller Hindernisse per Radar statt per Kamera erkennt. Auch ein LiDAR-Sensor tastet die Umgebung ab und erstellt eine Punktwolke, liefert aber keine Fotos von Personen. Wie diese Technik funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, erklärt die Seite über LiDAR-Mähroboter.
Häufige Fragen
Darf ich Live-Bilder meines Mähroboters in sozialen Medien teilen?
Nur mit Vorsicht. Nach dem Hinweisblatt der Sächsischen Datenschutz- und Transparenzbeauftragten (Stand 01/2023) gilt die Haushaltsausnahme nur, solange Aufnahmen nicht an Personen außerhalb der Familie weitergegeben werden, etwa durch Veröffentlichung im Internet. Sind auf den Bildern andere Menschen erkennbar, ist die Veröffentlichung an der DSGVO zu messen.
Was kann ich tun, wenn der Mähroboter des Nachbarn mein Grundstück filmt?
Sie können vom Betreiber nach Art. 15 DSGVO Auskunft verlangen, ob Ihr Grundstück erfasst wird, und sich bei unzureichender Antwort bei der Datenschutzaufsicht Ihres Bundeslandes beschweren. Die Sächsische Datenschutzbeauftragte hält zivilrechtliche Unterlassungsansprüche nach §§ 1004, 823 BGB für den meist wirksameren Weg.
Gilt die Haushaltsausnahme auch im Gemeinschaftsgarten?
Nicht ohne Weiteres. Die Sächsische Datenschutzbeauftragte zählt Gemeinschaftsbereiche zu den Flächen, deren Überwachung vom Grundsatz her verboten ist. Live-Video und Patrouillenfahrten sollten auf gemeinsam genutzten Flächen deshalb ausgeschaltet bleiben.